Vegane Flusskreuzfahrt auf der Donau

Donau

An was denkst du, wenn du an Flusskreuzfahrten denkst?

Wahrscheinlich hast du genau die selben Vorstellungen wie ich noch vor einem Jahr – viele ältere Leute, die auf altmodisch eingerichteten Schiffen durch die Landschaft tuckern. Insgesamt hat die Schiffsreise auf Flüssen ein angestaubtes Image. Immerhin liegt das Durchschnittsalter der Reisenden auf Flusskreuzfahrten je nach Reiseroute und Reiseveranstalter bei 60+.

Im Sommer 2014 startete die erste vegane Flusskreuzfahrt auf dem Rhein. Schon als ich das erst mal darüber gelesen hatte wusste ich – das muss ich ausprobieren! Eine Reise auf einem veganen Schiff, mit 5 veganen Mahlzeiten und natürlich vielen gleichgesinnten Mitreisenden, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Als dann im Herbst 2014 die nächste Sommerkreuzfahrt auf der Donau angekündigt wurde, habe ich für meinen Mann und mich sofort eine Kabine gebucht. Der Zeitraum passte, das Ziel interessierte uns und auch das nagelneue Schiff fand Gefallen. Da sich das Angebot speziell an vegan lebende Menschen richtet, hatten wir auch die Hoffnung, dass der Altersdurchschnitt auf dem Schiff nicht all zu hoch sein würde.

Wir buchten die günstigste Kabinenkategorie. Die Reise dauerte 5 Tage/ 4 Nächte und kostete in der gewählten Kategorie 399 € pro Person. Nicht gerade günstig, aber ein normaler Preis für eine Flusskreuzfahrt. Dazu buchten wir vorab zwei Nächte in Budapest, das Hotel wurde ebenfalls vom Reiseveranstalter angeboten und bot auch ein veganes Frühstück an.

Reiseverlauf

Ich beschränke mich hier auf die Reise auf der Donau. Über den Voraufenthalt in Budapest berichte ich in einem anderen Artikel.

Unsere Flusskreuzfahrt startete am Abend des 30. Juli 2015 in Budapest. Das Schiff verließ seinen Anlegeplatz während des ersten Abendessens an Bord, sodass wir nochmal einen tollen Blick auf die Budapester Sehenswürdigkeiten, wie z.B. das Parlament hatten. Wir fuhren bis zum Mittag des nächsten Tages durch, dann schließlich erreichten wir Bratislava, wo wir am Nachmittag die Stadt auf eigene Faust erkundeteten.

Am Abend fuhren wir wieder los. Früh morgens erreichten wir Wien. Die Anlegestelle in Wien-Nussdorf war etwas außerhalb, sodass wir mit der Straßenbahn in die Innenstadt gefahren sind. Pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder am Schiff, da direkt im Anschluss unser vorab gebuchter Ausflug zu einem veganen Winzer startete.

Spät Abends ging unsere Reise auf der Donau weiter, am Vormittag erreichten wir das hübsche Dörfchen Dürnstein. Mittags fuhren wir durch die Wachau. Leider regnete es an diesem Tag. Nachmittags hatten wir einen Ausflug zum Stift in Melk gebucht.

In der Wachau

Am späten Nachmittag legte unser Schiff ab in Richtung Passau, wo unsere Reise enden sollte.

Das Schiff

Wir fuhren mit der Amadeus Silver II, die erst kurz vor unserer Reise gebaut worden ist. Entsprechend neu und modern war das ganze Schiff gestaltet. Es teilte sich auf insgesamt drei Decks auf, im hinteren Teil des Schiffes befanden sich die Kabinen, im vorderen Teil das Restaurant und die Panoramabar. Der Fitnessraum auf dem Schiff war so klein, dass er wirklich zu vernachlässigen ist. Dafür wurden aber mindestens zwei offene Yogastunden pro Tag angeboten.

Am Anlegeplatz in Budapest

Das Sonnendeck

Wir hielten uns während der Fahrtzeiten des Schiffes entweder im Panoramarestaurant, der Panoramabar, auf dem Sonnendeck oder in der eignen Kabine auf. Letzteres kam jedoch eher selten vor. Das Schiff kann man sich wie ein großes schwimmendes Hotel vorstellen. Ich fand es nie überfüllt oder beengt.

 

Die Kabinen

Unsere Kabine war zwar klein, aber zweckmäßig und gemütlich eingerichtet. Sie befand sich im untersten Deck (Haydn-Deck) und verfügte über ein schmales, nicht zu öffnendes Fenster, da direkt unter dem Fenster das Wasser der Donau begann. Die Kabine lag also größtenteils unter Wasser. Dies machte sich durch wahrnehmbare Fahrgeräusche und gelegentliches Wassergeplätscher an der Scheibe bemerkbar. Auch Motorengeräusche waren hin und wieder zu hören, diese waren aber auch in den teuersten Suiten (im obersten Deck) wahrnehmbar. Obwohl ich sehr geräuschempfindlich bin, habe ich gut geschlafen, vermutlich weil die Geräusche sehr gleichmäßig waren. In der ersten Nacht haben wir in unserem Bett Vibrationen gespürt, die uns aber nicht weiter gestört haben.

In allen Kabinen standen verschiedene vegane Kosmetikartikel bereit, die auch nachgelegt wurden, wenn sie aufgebraucht waren.

Unsere Kabine

Das Bad

Wer mehr Platz, Licht, Luft und Ruhe braucht, ist mit einer höher gelegenen (teureren) Kabine wahrscheinlich besser bedient.

Die anderen Gäste

Flusskreuzfahrten sind eher für ältere Menschen – so dachte ich zumindest vor unserer Kreuzfahrt. Das Publikum auf der Amadeus Silver II war aber überraschend bunt gemischt. An Bord waren Familien mit Kindern, Päarchen, Alleinreisende und Gruppen jeden Alters.

Entgegen meinen Erwartungen ernährten sich nicht alle Gäste vegan oder vegetarisch – ich bin mit mehreren Leuten ins Gespräch gekommen, die sich ansonsten omnivor ernähren und die Reise mitmachten, weil Ihnen das Schiff/ der Reisezeitraum/ die Reiseroute gut gepasst haben oder sie den Reiseleiter persönlich kannten.

Das Essen auf dem Schiff

Ich hatte hohe Erwartungen an das Essen, sehr hohe sogar. Leider wurden meine Erwartungen nur zum Teil erfüllt, was vermutlich daran lag, dass die ganz normale Crew des Schiffes gekocht hat und kein Koch, der sich speziell mit veganem Essen auskennt. Die Törtchen und Kuchen am Nachmittag waren hervorragend. Die Auswahl beim Frühstücksbuffet war sehr groß, von Kuchen über Brötchen mit diversen Belägen, Gemüse, Obst und warmen Gerichten.

LInsensuppe mit Samosa

Nudeln mit gegrilltem Gemüse

Kuchen am Nachmittag

Vorspeise

Nougat-Törtchen

Mittags und am Abend gab es das Essen in Buffet- oder Menüform. Teilweise wurden sehr kreative und leckere Gerichte serviert. Manchmal war das Essen aber auch fad und langweilig (z.B. kaum gewürzter gebratener Tofu oder geschmacklose Spaghetti in zu viel Olivenöl. Insgesamt war das Essen zwar lecker, ich hätte mir aber gewünscht, dass manche Gerichte raffinierter gewürzt gewesen wären.

Die Landausflüge

Bratislava

In Bratislava legte unser Schiff einen halben Tag bei strahlendem Sonnenschein an. Mein Mann und ich beschlossen, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Zunächst zog es uns in die wunderschöne Altstadt. Wir bummelten durch die Gassen und kauften Souvenirs. Besonders angetan hatte es mir ein kleiner Laden namens Twigift in der Klariska 7. Hier kann man wunderbar zwischen Handwerkskunst aller Art stöbern. Ganz in der Nähe befindet sich das Ethno Sumba, dem wir auch einen Besuch abstatteten und ich mir neue Tücher mitnahm. Zum Nachmittagskaffee machten wir eine Pause auf dem Schiff. Hier gab es nämlich wie jeden Nachmittag leckeren Kuchen.

Einkaufsstraße in Bratislava

Twigift

Anschließend machten uns auf dem Weg zur Burg, die man schon von Weitem von der Donau aus sehen konnte. Der Aufstieg ist ziemlich steil, aber der tolle Ausblick von oben entlohnt für die Anstrengung. In der Burg selbst waren wir nicht.

Ausblick vom Burggelände

Burg Bratislava

Wien

Leider konnten wir nur einen Vormittag in Wien verbringen, da wir für den Nachmittag einen Ausflug zu einem veganen Winzer gebucht hatten. Wir klapperten auf die Schnelle die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt wie die Hofburg, den Volksgarten, den Heldenplatz und die Oper ab. Da ich dringend neue Kleidung benötigte, statteten wir dem ebenBERG in der Neubaugasse einen Besuch ab. Der Laden ist zwar klein, umfasst aber eine tolle Auswahl an fairer und veganer Kleidung, u.a. von Sey Jeans, Armed Angels und Les racines du ciel. Gegen Mittag mussten wir zurück zum Schiff. Viel haben wir in Wien nicht gesehen. Selbst ein ganzer Tag wäre wohl nicht genug gewesen, um die ganze Stadt zu erkunden.

Anlegestelle Lüftner in Wien

Unterwegs in Wien

Ausflug zum veganen Winzer

Nachmittags fuhren wir mit einem Bus ins ca. 1 Stunde entfernte Hohenruppersdorf und besuchten den Winzer Pratsch, der seine Weinproduktion kürzlich auf ein veganes Klärverfahren (Filteranlage) umgestellt hat. Zunächst besichtigten wir die Weinkeller und der Winzer beantwortete unsere Fragen zur Weinherstellung. Nach einer Besichtigung der Weinberge konnten wir einige Weine verkosten – Lecker! Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren leider nur die Weißweine vegan, veganen Rotwein gab es noch nicht, da die Produktion erst in 2014 umgestellt wurde und es in diesem Jahr eine schlechte Rotwein-Traubenernte gegeben hatte.

Der Grund für die Umstellung des Klärverfahren war übrigens das Streben des Winzers nach qualitativ höherwertigen Weinen.

Weinreben

Dürnstein

Den einstündigen Aufenthalt in Dürnstein nutzen wir für einen kleinen Spaziergang durch den Ort und den Einkauf von Marillenlikör, einer Spezialität aus der Wachau.

Dürnstein

Melk

Die Ausflugsleiterin erklärte uns, dass das Stift Melk in Österreich so etwas sei, wie der Eifelturm in Wien. Ich hatte vor unserer Reise ehrlich gesagt noch nie davon gehört. Das Stift Melk beeindruckte uns vor allem durch die moderne Gestaltung der Ausstellungen. Hier wird viel mit Licht gearbeitet.

Das Stift Melk

Moderne Gestaltung der Austellungsräume

Passau

Wir verbrachten noch einen halben Tag in Passau, bis wir am Nachmittag wieder mit dem Zug zurück nach Hause fuhren. Passau hat mir unerwartet gut gefallen. Wir haben uns nur in dem historischen Stadtteil zwischen dem Inn und der Donau aufgehalten. Hier findet man gepflegte Einkaufsstraßen und hübsche kleine Gassen mit netten Cafés. Besonders gefallen hat mir ein Spaziergang entlang des Inn-Ufers bis zum Dreiflüsseeck, an dem Inn, Ilz und Donau zusammenfließen. Gegessen haben wir mittags in Shelly’s Bar, dem einzigen veganen Restaurant der Stadt. Es war viel los, da viele Leute vom Schiff dort zu Mittag essen wollten. Mit dem Andrang war das Personal völlig überfordert. Wir haben über eine Stunde auf unsere Burger gewartet. Diese waren dann ok, mit toller Salatbeilage, aber der Burger selbst war nichts Besonderes. Bei unserem Spaziergang durch die Stadt haben wir aber festgestellt, dass durchaus auch in anderen Restaurants vegane Speisen angeboten werden, so z.B. im Wagner’s Restaurant in der Bräugasse 29.

Passau - Am Inn

Burger in Shellys Bar

Passau

Fazit

Ich würde auf jeden Fall noch einmal eine vegane Flusskreuzfahrt machen. Die 5 Tage waren sehr erholsam, da man sich um nichts kümmern musste. Zudem habe ich auf dem Schiff viele nette Leute kennen gelernt. Infos zu den nächsten Reisen von Vegan Travel findest du unter http://www.vegane-flusskreuzfahrten.de/.

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