Urlaub machen vom Vegan-Sein? Nicht mit mir!

Urlaub vegan

Florian vom Reiseblog flocutus.de hat zur Blogparade aufgerufen. Das Thema lautet „Dein Essen ist nicht mein Essen“. Dazu hat er die „10+1 Gebote“ zum Essen auf Reisen formuliert.

Dazu gehört auch Gebot Nr. 7:

Beschränke nicht unnötig Deine Auswahl

Befreie Dich auf Reisen bitte vorübergehend von Diäten und anderen Ernährungsformen. Du beschränkst sonst Deine Auswahl an lokalen Speisen stark. Kaum ein traditionelles Gericht passt in enge Schemata wie Vegan, Paleo, Rohkost, Trennkost, Low Carb, Low Fat, etc.

Stell Dir vor, Du bist zum Essen eingeladen oder gehst mit Mitreisenden essen und musst fast alle Gerichte wegen einer freiwillig gewählten Ernährungsform ausschlagen. Das ist unhöflich und stressig für alle Beteiligten, am meisten für Dich selbst.

Selbst wenn es kompatible Gerichte gibt, musst Du wegen der mangelnden Verständigung womöglich ganz auf Garküchen und lokale Restaurants verzichten. Das wäre ein großer Verlust, siehe Punkt 4.

Du kannst nach der Reise wieder ohne Reue vegan, paleo usw. essen.

Das kann ich natürlich so nicht stehen lassen. Deshalb folgt hier meine ganz persönliche Meinung zum veganen Essen auf Reisen. Hiermit möchte ich keinesfalls für alle vegan lebenden Menschen sprechen. Jeder entscheidet für sich selbst und setzt seine persönlichen Grenzen vielleicht an einer anderen Stelle als ich.

Vegan ist nicht nur eine Ernährungsform

Ich lebe vegan. Das bedeutet für mich, dass ich mein Leben nicht auf Kosten anderer Lebewesen führen möchte. Kein Tier soll für mich leiden, sterben oder anderweitig ausgebeutet werden. Ich esse kein Fleisch, kein Fisch, keine Milch, keine Eier, kein Honig oder sonstige tierische Lebensmittel. Meine Kleidung enthält keine Bestandteile tierischen Ursprungs wie Leder, Wolle oder Seide. Mein Auto hat keine Ledersitze. Ich verwende vegane Kosmetik- und Reinigungsprodukte. Insekten in meiner Wohnung werden nicht zerdrückt, sondern in den Garten gesetzt (soweit es eben möglich ist). Ich besuche keine Zoos, Zirkusse oder andere Veranstaltungen, bei denen Tiere zur Schau gestellt, vorgeführt oder auf andere Weise ausgenutzt werden.

Panelle

Vegan-Sein ist für mich viel mehr als nur eine Ernährungsform. Die vegane Lebensweise ist Ausdruck meiner tiefsten Überzeugungen. Dazu gehört, dass Tiere genauso ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit haben wie ich. Ich stelle mich nicht über die Tiere; denke nicht, dass ich wertvoller bin wie sie.

Mit meiner veganen Lebensweise möchte ich unnötiges Leid verhindern und ein möglichst friedvolles Leben führen. Nur so bin ich im Reinen mit mir selbst und kann mein Leben genießen.

Kaffe-Granita auf Sizilien

Die vegane Ernährung ist daher nicht wirklich vergleichbar mit anderen Ernährungsweisen (Paleo, Rohkost, Trennkost, Low Carb, Low Fat), die nur aus gesundheitlichen Gründen gewählt werden. Sicher gibt es Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen vegan ernähren und bei denen ethische Gründe keine Rolle spielen. Zu denen gehöre ich aber nicht.

Vegan auf Reisen ist nicht schwer

Ich reise auch deshalb so gerne, weil ich neue Gerichte aus der ganzen Welt kennen lernen möchte. Ich esse sehr gerne und probiere gerne neue Speisen aus. Ich empfinde es nicht als Einschränkung, vegan zu reisen. Aber ich bereite mich gezielter auf mein Reiseziel vor. Ich recherchiere vor Reiseantritt genau, wie landestypische Gerichte zubereitet werden, welche besonderen Zutaten und Gewürze verwendet werden, worauf ich als Veganerin besonders achten muss und wo ich ggf. rein vegetarische oder vegane Restaurants finde. Es ist natürlich sehr hilfreich, wenn man die wichtigsten Sätze in der Landessprache versteht und sagen kann, was man essen möchte und was nicht. Im Zweifelsfall hilft der Vegan Passport, in dem auf 73 Sprachen geschrieben steht, dass ich mich vegan ernähre. Es wird erklärt, welche Lebensmittel vegan sind und welche nicht. Damit kann ich etwa 95 % der Weltbevölkerung verständlich machen, was ich esse und was nicht.

In Italien beispielsweise ist Pizzateig üblicherweise vegan. Ich kann also sicher sein, dass ich überall eine vegane Pizza bekommen kann, wenn ich eine vegetarische Pizza ohne Käse bestelle. In Indonesien wird zum Würzen gerne Terasi, eine Garnelenpaste verwendet. Da ich nun weiß, dass diese Paste häufig verwendet wird, kann ich bei meiner nächsten Reise nach Bali gezielt nach Gemüsegerichten ohne Terasi fragen. Zudem habe ich mir auch einige Gerichte rausgesucht, die üblicherweise vegan zubereitet werden. Die Happy Cow App zeigt mir, wo ich das nächste vegetarische oder vegane Restaurant finden kann. Die Anzahl solcher Restaurants ist natürlich stark vom gewählten Reiseziel abhängig.

Villa Cain - vegane Pizza

Es ist doch eigentlich egal, ob ich auf Reisen landestypische Küche mit Fleisch/Fisch/Ei/Milch oder eine vegane Variante probiere. Es ist immer eine neue und spannende Erfahrung und verschafft mir einen besseren Einblick in die Kultur meines Reiselandes. Wer ein Fleischgericht probiert, lässt vielleicht das Gemüsegericht links liegen, das ich esse.

Wenn ich nicht alleine reise wissen meine Mitreisenden, dass ich vegan lebe und haben damit kein Problem. Werde ich irgendwo zum Essen eingeladen, kann ich nett darauf hinweisen, was ich esse und was nicht und ggf. geeignete Alternativen für mich vorschlagen. Irgendwelche veganen Beilagen gibt es meistens, Grundnahrungsmittel wie Reis, Nudeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchte sowie Gemüse und Obst gibt es überall auf der Welt. Ich empfinde es nicht als unhöflich, wenn ich ein Gericht ablehne, das ich aus ethischen Gründen nicht essen möchte. Ich erwarte nicht, dass sich jeder auf meine Ernährungsgewohnheiten einstellt. Ich erwarte aber sehr wohl, dass man meine Entscheidung, vegan zu leben respektiert und mich zu nichts drängt.

La Casota vegan - Pancake

Für alle Fälle habe ich immer etwas Essbares bei mir, z.B. einen Riegel, Nüsse oder Obst, je nach dem, was im Reiseland erhältlich ist.

Vegan-freundliche Reiseländer

Ich muss zugeben, dass meine Ernährung auch Einfluss auf die Wahl meiner Reiseziele hat.

Im Winter möchte ich nach Bali reisen, weil es dort tolle Natur gibt, es angenehm warm ist, mich die hinduistische Kultur interessiert und ich gerne Yoga mache. Aber für mich ist auch wichtig, dass es dort viele vegane Restaurants gibt.

Socca in Nizza

Großstädte sind im Allgemeinen vegan-freundlicher als ländlichere Regionen. In wohlhabenden Ländern beschäftigen sich die Menschen eher mit den Auswirkungen ihrer Ernährung als in ärmeren Ländern, wo es einfach nur ums Sattwerden geht, sodass dort mehr vegane Möglichkeiten zu erwarten sind.

Burger im Orange

Ich lasse mich aber auch nicht von Reisen in ernährungstechnisch schwierigere Länder abhalten. Nächstes Jahr würde ich gerne nach Süd-Ost-Europa reisen (Mazedonien, Albanien, Montenegro, ….), auch das Baltikum reizt mich sehr. Diese Länder sind nicht gerade als vegan-freundlich bekannt. Genauer gesagt gibt es im Internet sehr wenige Infos, wie man dort als Veganer/in zurechtkommt. Ich lasse mich einfach auf das Abenteuer ein, schließlich werde ich auch dort wohl kaum verhungern. Anschließend gebe ich auf meinem Blog Tipps für andere Veganer/innen, die gerne dorthin reisen möchten, um ihnen die Reise zu erleichtern. Aus diesem Grund finde ich vegane Reiseblogs für abenteuerlustige vegane Reisende unheimlich hilfreich.

Linsencurry im Felders

Fazit

Für mich ist es keine Erleichterung oder Befreiung, wenn ich es auf Reisen mit der veganen Ernährung plötzlich nicht mehr so ernst nehmen würde. Dazu müsste ich nämlich alle meine Überzeugungen über Bord werfen, mein Gewissen ausschalten und Dinge essen, vor denen ich mich normalerweise ekele. Deshalb kommt es für mich persönlich nicht in Frage, auf Reisen nicht vegan zu essen.

Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass ich wegen Verständigungsproblemen oder einfachem Unverständnis meines Gegenübers auch mal etwas nicht veganes vorgesetzt bekomme, dass ich dann (im guten Glauben) esse. Aber dieses Risiko habe ich auch zuhause in Deutschland. Ich tue mein Bestes, so vegan wie möglich zu leben, um so wenig Leid wie möglich zu verursachen.

Wie denkst du über das Thema? Würdest du auf Reisen bewusst Ausnahmen machen? Wo setzt du die Grenzen in deiner veganen Lebensweise?

8 Kommentare

  1. Hi Natascha, danke für Deinen Beitrag zur Blogparade. Gefällt mir gut.

    Bei meinem Aufruf sich auf Reisen nicht unnötig einzuschränken, hatte ich meine eigene Paleo Ernährung im Hinterkopf, die ich aus gesundheitlichen Gründen gewählt hatte und die mich im Rückblick extrem eingeschränkt hat, v.a. in Indien.

    Wenn eine Ernährungsform zu Deiner Identität gehört, so wie Du das beschreibst, bist Du mit meinem Ratschlag natürlich nicht gemeint.

    Das wäre ungefähr so sinnvoll wie einem Moslem nahezulegen Schweinefleisch zu essen, einem (indischen) Hindu Non-Veg oder einem Juden nicht-koscheres Essen.

    Und das will ja keiner 😉

    • Hallo Florian,
      Danke für deinen Kommentar. Ich verstehe schon, was du mit deinem Ratschlag gemeint hast 😉
      Es gibt schon einige Menschen, die denken, alle Veganer ernähren sich so, weil es gerade hip ist, sie abnehmen wollen oder ähnliches.
      Aber es war mir wichtig mal klar zu stellen, worum es bei der veganen Lebensweise eigentlich geht.
      LG
      Natascha

  2. Pingback: Reise-Food: Dein Essen ist nicht mein Essen! - Blogparade

  3. Hallo Natascha,
    das ist ein sehr interessanter Artikel mit vielen hilfreichen Tipps für unterwegs. Ich muss gestehen, dass ich keine Veganerin bin, aber ich koche gerne vegan, wenn ich zu Hause bin. Wenn ich auf Reisen bin, drücke ich beide Augen zu und esse alles Mögliche, was ich zu Hause nie essen würde, weil ich einige der landestypischen Gerichte ausprobieren möchte…
    LG Johanna

  4. Hallo Natascha,

    Deinem Bericht kann ich nur zustimmen. Ich bin auch seit über 25 Jahren Vegetarierin – aus Überzeugung, nicht aus Mode. Und ich habe auf Reisen noch nie irgendwelche Probleme gehabt, etwas Leckeres zu finden. Jede Landesküche hat auch tolle Alternativen – und es wird immer einfacher, zumindest als Vegetarier zu reisen.

    Viele Grüße

    Daniela

  5. Ich persönlich stelle mir es doch sehr anstrengend vor, beim Essen auswärts Essen immer genau auf die genauen Inhaltsstoffe zu achten. Respekt, wenn du da für dich so konsequent sein kannst. Aber ich schaue auch eher auf vegetarische Speisen, als auf vegane. Und das ist viel einfacher. Nicht nur im Ausland, auch wenn man zu Hause mal Essen geht.

    • Hallo Bärbel,
      Danke für deinen Kommentar. Fast jeder den ich kenne, der nicht selbst vegan lebt, stellt sich das ganze anstrengend und kompliziert vor. Aber niemand den ich kenne, der vegan lebt, empfindet es als zu anstrengend oder kompliziert.
      Alles eine Sache des Standpunktes, würde ich sagen.
      LG
      Natascha

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