Vegan in Marokko

Im Herbst 2017 bin ich 2,5 Wochen lang durch Marokko gereist. Meine Reise führte mich von Fès über Meknès, Rabat und Salé bis nach Marrakesch. Zum Schluss habe ich noch ein paar Tage am Meer in Essaouira verbracht.

In diesem Artikel möchte mit dir meine Erfahrungen zur veganen Verpflegung in Marokko teilen. Ich erhebe keineswegs Anspruch auf Vollständigkeit und 100 %-ige Richtigkeit meiner Angaben. Aber vielleicht helfen dir meine Erfahrungen, dich besser auf deine eigene Marokkoreise vorzubereiten.

Strand in Sidi Kaouki

Koranschule in Fes

Brunnen

Wie habe ich meine Reise durch Marokko organisiert?

Ich bin auf eigene Faust durch Marokko gereist und habe dabei nur touristisch gut erschlossene Gebiete besucht. Meine Reiseroute habe ich schon vor Reisebeginn festgelegt und Unterkünfte in den jeweiligen Städten gebucht. Dabei habe ich darauf geachtet, dass in den Unterkünften auch Abendessen angeboten wird, einerseits, damit ich abends im Dunkeln nicht mehr unbedingt raus muss und anderseits konnte ich so vorher bereits mit den Unterkünften meine Verpflegungswünsche abklären.

Über den Dächern von Marrakesch

Alle meine Unterkünfte hatten mir vorab bestätigt, dass eine vegane Verpflegung kein Problem sei. Entsprechend optimistisch bin ich meine Reise angetreten.

Tatsächlich stellte sich vor Ort des Öfteren heraus, dass das vegane Konzept nicht unbedingt verstanden wurde. Man war zwar immer bemüht, meine Wünsche umzusetzen, aber beispielsweise bei meiner ersten Unterkunft in Fés gab es auch für mich Butter zum Frühstück und unveganes Gebäck. Auf meiner Marokkoreise musste ich daher ausprobieren, wo meine Grenzen hinsichtlich möglicherweise nicht veganem Essen liegen. Fleisch und Fisch zu essen kommt für mich grundsätzlich nicht in Frage, aber das Problem in Marokko hatte ich eher mit verarbeiteten Eiern und Milchprodukten sowie Honig. Insbesondere Honig wurde überall als vegan angesehen.

In den Gassen von Rabat

Ich habe mich dafür entschieden, zu essen, was vegan aussieht bzw. nicht offensichtlich unvegan ist. Ob nicht evtl. auch mal Butter, Ei oder Milch in meinem Essen war, weiß ich nicht. Ich wollte mir aber deshalb nicht meine Reise unnötig verkomplizieren und vor allem nicht meinen Gastgebern in den Unterkünften vor den Kopf stoßen. Bei Honig war ich ausnahmsweise besonders tolerant. Auf dem Blog „Mehr als Grünzeug“ ist übrigens vor Kurzem ein sehr guter Artikel zum Thema Honig veröffentlicht worden.

Vor Ort habe ich teilweise Mittags in Cafés und Restaurants gegessen, die ich über HappyCow gefunden habe, manchmal habe ich mich auch an Straßenständen verpflegt. In Essaouira habe ich auch Abends auswärts gespeist, dazu gibt es einen separaten Artikel auf Reise vegan.

Am Strand von Salé

Was gibt es in Marokko üblicherweise zum Frühstück?

Das marokkanische Frühstück hat mir am Anfang am meisten Probleme bereitet. In Marokko gibt es nämlich eine Vielzahl von Broten und Gebäck, welches üblicherweise zum Frühstück angeboten wird. Die gute Nachricht: einiges davon gibt es auch in einer veganen Variante. Doch man sollte sich bereits vor der Reise kundig machen, welches Gebäck es gibt und wie es typischerweise zubereitet wird. Zweimal wurden mir beispielsweise marokkanische Milchbrötchen als vegan angepriesen, die ich Dank etwas Vorbereitung jedoch als solche identifizieren konnte. Um mich vorab über gängige Zubereitungsarten für Gebäck zu informieren, fand ich diese Seite sehr hilfreich.

Typisches Frühstück in Marokko

Msemmen

Msemmen sind recht fettige Pfannkuchen, die rund oder eckig sein können. Sie werden entweder mit einer Mischung aus Butter und Öl oder nur mit Öl hergestellt. Da sie mir oft zum Frühstück angeboten wurden und mir auch auf Nachfrage immer bestätigt wurde, dass sie keine Butter enthalten, gehe ich davon aus, dass die Herstellung nur mit Öl eine gängige Zubereitungsart ist. Msemmen werden mit Marmelade, Honig oder Frischkäse zum Frühstück oder auch später am Tag als Snack gegessen. Auf der Straße werden Msemmen für etwa 3 Dirham (ca. 27 Cent) angeboten. Französischkenntnisse sind auf jeden Fall hilfreich, um nachfragen zu können, ob Butter enthalten ist oder nicht. Marokkaner sprechen eher Französisch als Englisch.

Msemmen mit Marmelade

Msemmen an einem Straßenstand

Harcha

Harcha ist ein recht festes, eher trockenes Brot aus Grieß. Es kann mit Milch und Butter oder auch in einer veganen Variante mit Wasser und Pflanzenöl hergestellt werden.

Baguette, Msemmen und Harcha (rechts unten im Körbchen)

Baghrir

Baghrir ist ein löchriger weicher Pfannkuchen, der oft zum Frühstück angeboten wird. Der Teig ist üblicherweise vegan. Man isst Baghrir normalerweise mit Butter und Honig, aber sie schmecken auch sehr gut mit Marmelade. Die kleinen Pfannkuchen sind eher gelblich, da sie aus Grieß hergestellt werden.

Baghrir (hier leider mit Honig serviert)

Marokkanisches Fladenbrot

Das typische marokkanische Fladenbrot wird eigentlich zu jeder Mahlzeit gereicht. Das Brot gibt es in verschiedenen Größen, auf der Straße kann man es an jeder Ecke für 1 Dirham (ca. 9 Cent) kaufen. Das marokkanische Fladenbrot sollte immer vegan sein, da es sich um ganz schlichten Hefeteig handelt. Es eignet sich auch super als Snack zwischendurch, wenn du nichts anderes findest, da es einfach überall angeboten wird. Manchmal gibt es das Fladenbrot sogar in einer Vollkornvariante.

Marokkanisches Fladenbrot von einem Straßenstand

Batbout

Batbout ist ebenfalls eine marokkanische Brotvariante, die ich beispielsweise getoastet zum Frühstück bekommen habe. Es handelt sich hierbei auch nur um einen schlichten (veganen) Hefeteig. Batbout ist am ehesten vergleichbar mit Pitabrot. Es ist etwas feiner und weicher als das verbreitetere Fladenbrot.

Batbout (am Flughafen)

Baguette

Fast immer gab es in Marokko auch Baguette zum Frühstück. Das einfache französische Baguette sollte eigentlich immer vegan sein, hierbei handelt es sich schließlich auch nur um einen Hefeteig mit Mehl, Wasser, Hefe und Salz.

Baguette

Zum Brot/Gebäck gibt es meistens verschiedene Marmeladen, Oliven, frischen Orangensaft, Obst, Kaffee und/oder Tee.

Frühstück in Marokko

Was sind typische vegane Gerichte in Marokko?

Im folgenden stelle ich dir einige typische marokkanische Gerichte vor, die meistens (aber nicht zwangsläufig) vegan sind.

Tajine

Eine Tajine ist eigentlich nur ein spezieller Tontopf, in dem ein Gericht zubereitet wird. Die  Zubereitung von Gerichten in einer Tajine ähnelt der in einem Römertopf. Neben Fleisch und Fisch kann man natürlich auch Gemüse in einer Tajine zubereiten. Dazu wird verschiedenes Gemüse geschichtet, gewürzt und mit etwas Öl beträufelt. Das Ganze schmort dann für längere Zeit im eigenen Saft, bis das Gemüse gar ist. Auch Gerichte aus Hülsenfrüchten lassen sich in einer Tajine zubereiten.

Eine vegetarische Tajine besteht also aus verschiedensten Gemüsesorten, der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Ich hatte in meinen Tajines oft Kartoffeln, Möhren und anderes Wurzelgemüse, aber auch Tomaten, Auberginen, Zucchini und sogar Quitten. Das Gemüse kann ziemlich schwach bis kräftig gewürzt sein.

Bei vegetarischen Tajines an Straßenständen oder in Restaurants kann es vorkommen, dass während des Kochprozesses ein Stück Fleisch dazu gegeben wird, das vor dem Servieren entfernt wird. Damit hatte ich selbst keine Probleme, da meine Tajines meistens entsprechend meiner Wünsche speziell für mich zubereitet worden sind.

Gemüse-Tajine mit Quitten

Couscous

Couscous (Hartweizengrieß) gibt es wie Tajines in den verschiedensten Varianten. In der vegetarischen/veganen Variante gibt es z.B. Couscous mit Gemüse, mit Gemüse und Hülsenfrüchten und manchmal sogar mit Trockenfrüchten wie Rosinen. Üblicherweise wird das Kochwasser vom Gemüse separat als Soße dazu gereicht.

Ich hatte auch mal ein sehr süßes Couscous mit Zwiebeln, Datteln, Pflaumen und Rosinen.

Couscous mit Gemüse, KIchererbsen und Rosinen

Harira

Haria ist eine traditionelle marokkanische Suppe mit Hülsenfrüchten (Kichererbsen, Linsen) und Nudeln. Sofern kein Fleisch mitgekocht wurde, ist sie vegan.

Harira

Bissara

Bissara ist eine mehr oder weniger dicke Suppe aus getrockneten Bohnen und/oder Erbsen. Sie kann viel Knoblauch enthalten und wird normalerweise mit Olivenöl, Kreuzkümmel und Chilipulver serviert.

Bissara mit Msemmen und Zalouk (Kochkurs im Café Clock, Marrakesch)

Zalouk

Zalouk ist ein Auberginenpüree. Dazu werden die Auberginen zunächst über offener Flamme geröstet, sodass ein rauchiger Geschmack entsteht. Zu den Auberginen kommen Olivenöl, Knoblauch, Tomaten sowie verschiedene Gewürze und Kräuter.

Zalouk (Kochkurs im Café Clock, Marrakesch)

Marokkanischer Salat

Fast in allen Restaurants wird „Marokkanischer Salat“ angeboten. Dabei handelt es sich um gewürfelte Tomaten, Gurken und/oder Paprika. Das Dressing besteht üblicherweise ganz schlicht aus Olivenöl, Salz und Pfeffer. Manchmal wird der Salat mit Petersilie und/oder Oliven verfeinert. Marokkanischer Salat sollte immer vegan sein.

Marokkanischer Salat

Oranges á la Canelle

Ein verbreitetes Dessert in Marokko sind Orangen mit Zimt. Simpel aber lecker und natürlich auch vegan.

Oranges à la Canelle - hier auch noch mit Datteln

Fazit

Die vegane Verpflegung in Marokko hat für mich überraschend gut funktioniert. Das vegane Konzept wird insbesondere von Einheimischen jedoch kaum wirklich verstanden, sodass ich manchmal flexibler als üblich war und auch mal Baghrir mit Honig oder andere möglicherweise unvegane Speisen gegessen habe.

Gemüse-Tajine und Couscous mit Gemüse können schnell langweilig werden, weil oft das gleiche Gemüse verwendet wird und für meinen Geschmack des Öfteren mehr hätte gewürzt werden können. Deshalb habe ich mich zur Abwechslung auch mal über eine vegane Pizza oder Pasta gefreut.

Nachdem ich herausgefunden hatte, dass es beim marokkanischen Frühstück doch relativ viele vegane Optionen gibt, wurde das Frühstück zu meiner liebsten Mahlzeit des Tages. An Msemmen mit Marmelade und frischen Orangensaft kann ich mich wirklich gewöhnen.

Insgesamt kann ich dir eine Reise nach Marokko nur empfehlen. Als Veganer/in wirst du dort keinesfalls verhungern, sondern kannst sogar die ein oder andere Köstlichkeit entdecken.

Auf einer kleinen Wanderung im Atlasgebirge

Unterwegs in der Medina von Meknès

Unterwegs in der Medina von Meknès

Warst du schon mal in Marokko? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar und verrate mir, welche Erfahrungen du mit dem veganen Essen dort gemacht hast und wo du evtl. auf Probleme gestoßen bist.

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